Kirchen auf Malta und Gozo
Kirchen auf Malta und Gozo erzählen sehr unterschiedliche Geschichten: Die eine war Konventkirche eines Ritterordens, eine andere wurde als monumentale Rotunde für eine wachsende Gemeinde gebaut, und auf Gozo begegnen Ihnen sowohl eine Stadtbasilika als auch ein vielbesuchter Marienwallfahrtsort. Der Vergleich lohnt sich über den Namen des Heiligen hinaus: Grundriss, Ausstattung und die jeweilige Nutzung zeigen, wie sich Glauben, lokale Gemeinschaft und Kunstgeschichte auf den Inseln verbinden.
St John’s Co-Cathedral: Ordensgeschichte und Barock
In Valletta steht mit St John’s Co-Cathedral die ehemalige Konventkirche des Johanniterordens. Ihre schlichte, wehrhaft wirkende Außenseite führt in einen bedeutenden Barockinnenraum. Mattia Preti gestaltete das Tonnengewölbe mit Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers und schuf mehrere Altarbilder. Caravaggio malte „Die Enthauptung Johannes des Täufers“ um 1608; das Gemälde befindet sich im Oratorium. „Der schreibende Heilige Hieronymus“ wird seit der Eröffnung des Caravaggio Wing 2021 in einem eigenen St Jerome Room gezeigt. Beide Gemälde stehen im Zentrum der kunsthistorischen Bedeutung der Kirche.
Die Gräber und Grabplatten der Ordensritter machen den Kirchenraum zu einem Geschichtsort. Die Kapellen spiegeln die europäischen „Zungen“ des Ordens wider; ihre Ausstattung verbindet religiöse Bildprogramme mit dem politischen Selbstverständnis des Ordens. Gewölbe, Seitenkapellen, Oratorium und Grabplatten bilden gemeinsam das Barockensemble.
Mosta: eine Rotunde als Gemeindekirche
Die Rotunde von Mosta setzt einen anderen Akzent. Der kreisförmige Bau mit seiner großen Kuppel wurde im 19. Jahrhundert um die ältere Kirche herum errichtet, die für die wachsende Gemeinde zu klein geworden war. Architekt Giorgio Grognet de Vassé orientierte den Entwurf am Pantheon in Rom. So wirkt die Kirche weniger wie ein langes Schiff mit Kreuzgrundriss, sondern wie ein weiter, zentraler Raum, dessen Blick nach oben zur Kuppel gelenkt wird. Gemälde von Giuseppe Calì und weiteren Künstlern gehören zur Ausstattung.
Die Kuppel ist mit einem Ereignis des Zweiten Weltkriegs verbunden: 1942 durchschlug eine Bombe das Dach und fiel in den Kirchenraum, ohne zu explodieren. Eine Nachbildung ist in den Sakristeien ausgestellt.
Die St.-Pauls-Kathedrale in Mdina entstand nach dem Erdbeben von 1693 nach Plänen Lorenzo Cafàs; die Weihe folgte 1703.
Gozo: Stadtbasilika und Wallfahrtskirche
In Victoria ist St George’s Basilica tief in das städtische und kirchliche Leben Gozos eingebunden. Die heutige Kirche stammt im Kern aus dem Jahr 1678 und war die erste Kirche der Insel mit einem lateinischen Kreuzgrundriss; Seitenschiffe kamen in den 1930er-Jahren hinzu. Mattia Preti erhielt den Auftrag für das Altarbild des heiligen Georg zu Pferd. Die Basilika wurde 1958 zur Basilica minor erhoben. Ihre Geschichte lässt sich so unmittelbar mit der Entwicklung der Gemeinde in Victoria verbinden.
Anders liegt die Wallfahrtskirche Ta’ Pinu außerhalb von Għarb. Der Neubau entstand von 1920 bis 1932 und umschließt die ältere Kapelle. Karmni Grima berichtete 1883, die Stimme Mariens gehört zu haben. Die Architektur ist romanisch geprägt; vor der Kirche liegt die breite Vorfläche, gegenüber führt ein Kreuzweg mit 14 Marmorstatuen über den Ta’ Għammar Hill. Das prägt einen Besuch stärker durch Wallfahrt und Landschaft als durch einen städtischen Gemeinderaum. Ein Blick auf die Rotunda von Xewkija ergänzt den Gozo-Vergleich um eine weitere monumentale Kirchenform.
Ein Vergleich nach Kunst, Bauform und Ort
St John’s Co-Cathedral in Valletta bewahrt Ordensgräber und Barockkunst; religiöse Traditionen Maltas begegnen auch in Mostas Rotunde und Gozos Basiliken. Mosta liegt auf der Hauptinsel, St George’s in Victoria und Ta’ Pinu nahe Għarb auf Gozo. Die Kirchen dienen weiterhin als Sakralräume; an der Kathedrale Vallettas finden regelmäßig Gottesdienste statt.