St. Paul’s Catacombs in Rabat
St Paul’s Catacombs gehören zu einem weitläufigen unterirdischen Friedhof außerhalb des antiken Melite, dessen Geschichte mehrere Epochen umfasst. Die Nekropole in Rabat diente in punischer, römischer und byzantinischer Zeit als Begräbnisort und ist ein früher archäologischer Beleg für das Christentum auf Malta.
Eine in den Kalkstein gehauene runde Plattform in den St. Paul’s Catacombs in Rabat.
Foto: Diego Delso, delso.photo · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons (Größenanpassung)
Ein Friedhof mit langer Nutzungsgeschichte
Die Bestattungslandschaft begann mindestens im 3. oder 4. Jahrhundert vor Christus und wurde bis ins 7. und möglicherweise 8. Jahrhundert nach Christus genutzt. Im Gebiet Ħal Bajjada, auch Tad-Dlam genannt, liegen mehr als 30 Hypogäen. Der zentrale Komplex der St Paul’s-Gruppe besteht aus miteinander verbundenen Gängen und Grabkammern und umfasst eine Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern.
In den Grabkammern erschließen sich Bestattungsformen durch Architektur. Zwei große Hallen nahe dem Zugang besitzen Pfeiler, die dorischen Säulen nachempfunden sind; Reste bemalter Wandflächen sind ebenfalls erhalten. Niedrige Plattformen mit steinernen Tischen erinnern in ihrer Form an die Liegeplätze römischer Speiseräume. Diese Triclinia wurden wahrscheinlich für gemeinschaftliche Gedenkmahle beim jährlichen Fest für die Toten genutzt.
Römische Grabformen und spätere christliche Nutzung
Die Katakomben verbinden unterirdische Passagen und verschiedene Grabtypen zu einem zusammenhängenden System. Ein Teil der Anlage wurde während der Wiederchristianisierung der Insel um das 13. Jahrhundert erneut verändert: Ein offener Bereich wurde eingeschnitten und als christlicher Schrein mit Wandmalereien genutzt. Damit überlagerten sich an diesem Ort Bestattungspraktiken, christliche Erinnerung und spätere religiöse Nutzung. Die archäologische Untersuchung durch A. A. Caruana im Jahr 1894 gehört zu den frühen Arbeiten zur christlichen Archäologie Maltas.
In St Paul’s Catacombs liegen Gräber in einem über mehrere Jahrhunderte erweiterten Friedhofskomplex. Das Hypogäum von Ħal Saflieni entstand wesentlich früher und diente als prähistorischer Begräbnisort.
Was zum Besuchsbereich gehört
Der Rundgang führt durch ausgewählte Räume und Gänge des größeren Friedhofsgebiets. Audioguides, Sitzbereiche im Innen- und Außenbereich, Schließfächer und ein Shop stehen am Standort bereit. Einzelne Bereiche sind für Besucherinnen und Besucher mit eingeschränkter Mobilität nicht vollständig zugänglich. Die nächste Bushaltestelle liegt fünf Gehminuten entfernt; für den Besuch sind etwa ein bis zwei Stunden vorgesehen.
Ħal Saflieni zeigt eine prähistorische unterirdische Anlage, während Domvs Romana römisches Wohnen in Rabat erschließt. Die Lage bei Rabat verbindet Bestattungsarchäologie mit der Geschichte der antiken Stadt.